Daß die neuen Freundin-Blogs nicht das Wahre sind, wurde ja schon vielfach festgestellt. Aber bisher hielt sich die Kritik bei Formalien (Browserkompatibilität, CSS) auf - wollen wir doch mal gucken, was das Ganze inhaltlich so hergibt.
Auf der Startseite der Blogs sind erstmal die verschiedenen Blogger in putzigen Frauenzeitungsillustrationen sozusagen abgebildet. Da geht es dann nicht um Menschen, sondern um Typen und Themen, die möglichst ressortkompatibel gerastert werden: Die Singlefrau, die Fernbeziehungsführerin, die Heiratswillige, die Mutter. Dann, themenmäßig: Fashion, Lifestyle, Beauty, Gossip, Food. Da ist die ganze Palette dabei: also die ganze Palette eines üblichen Frauenmagazins, nicht die ganze Palette des profanen Daseins, versteht sich. Frauenmagazin muß zuckersüßer Eskapismus sein, weil Frauen das so wollen. Punkt.
Das ist, gelinde gesagt, schade. Blogs leben vor allem von der Persönlichkeit des Bloggers und seiner Sicht der Dinge. Ich habe nicht das Gefühl, es mit Leuten zu tun zu haben, sondern bestenfalls mit einer Horde Kolumnisten, die ihre Themenfelder beackern.
Warum zur Hölle man diese Themen nun in Blogs verhandeln soll, verstehe ich nicht. Gut, es gibt Themenblogs, und am ehesten erschließt sich mir noch der Sinn eines fachmännisch geführten Ernährungsblogs (es heißt nämlich DAS Blog). Aber der Rest? Ist zu informationsarm, um im Heft zu landen, zu schlecht recherchiert, dafür subjektiv und mit persönlichen Allgemeinplätzen angereichert. Warum soll ich einem offensichtlich künstlich generierten Teilaspekt einer Redakteurin beim Heiraten zugucken?
Also wiedermal echte Menschen, die über ganz echte menschliche Gefühle schreiben und natürlich wirklich echt existieren. Oder?
Genau, nur nicht das Thema verfehlen, sonst gibt es eine Sechs, setzen. Blöd nur, daß das Thema zu verfehlen beim Bloggen geradezu Methode ist und meistens eh zu den besten Texten führt. Thema grundsätzlich nicht verstanden, Sechs, setzen. Der Rest ist dann nicht halb so spannend wie der telephonische Bericht meiner kalabresischen Freundin, die versuchte, von Don Giacomo, dem Vorstand der italienisch-katholischen Gemeinde Londons, eine Heiratserlaubnis für ihren protestantischen Gatten in Spe zu bekommen.
Toll auch Ein Büro, zwei Meinungen. Da arbeiten zwei Frauen, die schon durch ihre Haarfarben gar nicht anders können, als zwei unterschiedliche Meinungen zu vertreten und das nun in aller Öffentlichkeit aushandeln müssen. Die Themen: Gilmore Girls, Britney Spears und so Arztserien im Fernsehen, die ich nicht kenne, aber auch nicht kennenlernen will. Weil die beiden so wahnsinnig unterschiedlich sind, guckt die eine gleich alle Staffeln von Gilmore Girls, die in Amiland erscheinen, während die andere die deutschen DVDs abwartet, am Stück schaut und danach wieder zurückspult (ob sie sie auch umdreht, ist leider nicht überliefert). Na, was für ein Gegensatz! Ich schmeiß mich weg. Warum die Gilmore Girls so wahnsinnswitzig sind, erfahre ich dann leider nicht. Eigentlich interessiert es mich auch nicht besonders.
Sarah ist Single, und als solcher führt sie ein super aufregendes Singleleben:
Ja, das ist natürlich sehr innovativ, das haben wir noch nie gelesen, sowas. Das Blog heißt natürlich, wenn ihr es noch nicht erraten habt, und wenn nicht, dann nur, weil es so naheliegend ist, daß man denkt, das darf doch nicht, aber doch, es heißt: Sarah and the City. Das ist jung, das ist hip, das ist Trittbrettfahrerei mäßiger Originalität. Sowas lassen die bei Spon nicht mal den Unispiegel-Praktikanten durchgehen.
Das ist schon teilweise fast absolut atemberaubend schmerzhaft. Aber wenn man Sarah Sonnenscheins Prozac-Stil noch einen Absatz weit aushält, dann wird einem plötzlich alles klar:
Sarah, glaub mir, es geht immer noch perfekter. Nützlicher Gedanke übrigens, bevor man einen Blog-Eintrag abschickt.
Oder was soll ich von Fanny Fashion halten? Das verspricht mir Freundin:
Ach so, eine Art Briefkastentante mit eigenem Content? Mein bevorzugtes Modeblog ist ja das hier, das ist eher nicht so briefkastentantig, aber warum nicht? Was schreibt sie denn, die Fanny? Zum Beispiel über’s frühjährliche Schuheausmisten:
Ja ganz süß? Habe ich da wirklich “ja ganz süß” gelesen? Habe ich da wirklich “schwer im Kommen” gelesen? Und was hat es mit der sogenannten “Größe” dieser sogenannten Redakteurin auf sich - meint die nicht einfach ihre Körpergröße? Ja, aber warum in Anführungszeichen? Weil sie so klein ist? Ach so, Späßle wieder nicht mitgekriegt, ich Rindviech ich. Und, mysteriös: Was hab ich mir unter unattraktiven Schnürsandalen vorzustellen? Attraktive Schnürsandalen jedenfalls klingt nach einer dieser Anzeigen für fußformgerechte Rentnerinnenschuhe, die immer auf der Rückseite von Klatschpostillen zu finden sind.
Auch grandios weiterführend: der Beitrag “Shopping im Wartezimmer”:
Glatt ein Paar süße? Hab ich da wirklich “glatt ein Paar süße” gelesen? Okay, ja, es ist Blog, es ist jung und wild und wir müssen nicht auf Rechtschreibung oder Deppenleerzeichen achten, und auf daß/das schon gar nicht. Und schon überhaupt nicht achten muß man darauf, was man da eigentlich für einen Schmarrn verbreitet. Der einzige Kommentar lautet konsequenterweise auch:
Langweiligstes Blog seit Erfindung des Elektrons.
Danke, liebe unbekannte Leserin namens Anne. Du bringst es auf den Punkt.
Sogar der Klassiker fehlt nicht: Der Quotenmann, der seine geschlechtsspezifische Sicht der Dinge ein bißchen kauzig, aber mit gaaanz viel Sehnsucht nach Liebe darlegt und den Frauenmagazinleserinnen suggeriert, daß alle Männer eigentlich knuddelbedürftige kleine Jungs sind. Und einen Hund hat er auch noch.
Und was macht Marcus so den lieben langen Tag? Zum Glück sind Männer und Frauen ja gar nicht so unterschiedlich, beide gehen ins Straßencafé:
So einen gemütlichen Kerle-Nachmittag verbringen. Sonne genießen. Quatschen.
Und worüber schreibt Marcus?
Marcus, ich verrat Dir was: Von selbst kommt nix. Oder nur Mist. Was von selbst kommt, taugt nix. Streng Dich an, Marcus, wenigstens ein bißchen. Und dann schreibst Du eine richtige, runde Geschichte über etwas, was Dich wirklich bewegt und uns auch und dann, aber erst dann, Marcus, dann les ich das auch ab und zu. Okay, das war’s zum Thema “Was schreiben”, bleibt die Frage: “Wie schreiben?”
Es heißt: am häufigsten, kennenlernt in einem Wort und tolle Frauen ist ja auch so ein Gemeinplatz, ganz abgesehen von der Holperkonstruktion doch sicher ständig. Aber bei mir kommt ja auch nichts von selbst, ich schreibe das hier alles noch richtig mit acht Fingern, Tastatur und dabei eingeschaltetem Hirn. Und mit möglichst wenigen Ausrufezeichen. Wie also schreiben? Orthographisch halbwegs korrekt wäre ein Anfang, unterhaltsam ein echter Fortschritt und mitreißend - nun ja, das wär’s natürlich. Aber dazu bräuchte man Leute, die mitreißend schreiben können, und die bekommt man halt nicht für lau.







„Wie kommen wir nach…“ lautete formvollendet unsere Frage auf Französisch an die Frau, die dort drüben auf den Bus wartete. „Do misse ihr gradausgehn’ …“antwortete sie im breitesten lothringischen Dialekt, der ein deutscher ist und fügt hinzu: „Dos do steht aisch gud!“, womit sie mein schickes Kostüm meinte. Dabei hatten wir doch gerade für die Reise nach Lothringen unser Französisch aufpoliert. Besser hätten wir wohl Geschichtsbücher gelesen, die darstellen, wie dieser Flecken hin- und hergerissen zwischen Frankreich und Deutschland längst ein Amalgam bildet mit dem französischen souvre vivre und deutscher Gründlichkeit und Handwerkskunst. Noch besser wäre, beides zu beherrschen: das Französische und die Geschichte. Christina Lenz und Anna von Stillmark
In den letzten beiden Wochen sind alleine aus der Hauptstadt Mogadishu rund 10.000 Zivilisten geflohen. Die UN bezifferte Ende Februar die Zahl der Flüchtlige alleine aus der Hauptstadt auf 15.000, ein Sprecher der ‘Afrikanischen Union’ (AU) nannte in der ersten Märzwoche eine Zahl zwischen 18.000 und 30.000 Flüchtlingen aus der Hauptstadt. Der Grund dafür ist unverkennbar die sich zunehmend verschlechternde Sicherheitslage. Ein vermutlich nur vorläufiger Höhepunkt war am 20.2. erreicht worden als äthiopisches Militär und Kräfte der von diesem im Dezember 2006 an die Macht gebrachten somalischen Übergangsbundesregierung (TGF) Viertel der Hauptstadt, aus denen zuvor auf sie geschossen worden war, mit Artilleriefeuer belegten. Dabei wurden mindestens zehn Zivilisten getötet. Anton Holberg
Bis zum 10. März soll das Spektakel auf dem Frankfurter Messegelände dauern, das zum einen alle Hallen füllt und dann auch noch viel Volk anlockt. Wenn der Bundesminister, ja der Name heißt so, für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit diese Weltleitmesse, unter deren Kürzel ISH sich nur die Eingeweihten etwas vorstellen können, wenn also Sigmar Gabriel kommt und eröffnet, kann man sicher sein, daß der weitere Schwerpunkt, nämlich Erneuerbare Energien eine große Rolle spielt. Dazu sind Minister auch da, einerseits der einheimischen Industrie auf dem Weltmarkt zu helfen, ihr andererseits tüchtig einzuheizen, wo es noch not tut. Tatsächlich war es die Idee der Messe selbst, dieses Jahr innerhalb des Bereichs Gebäude- und Energietechnik die Erneuerbaren Energien zum Schwerpunktthema zu machen. Anna von Stillmark
Die Internationale Tourismusmesse Berlin (ITB) lud zur Eröffnungs-Presseknferenz am 2. März ins Dachgartenfoyer des Berliner ICC und viel Kolleginnen und Kollegen kamen. Ihnen wurde Fakten, Fakten, Fakten und Reden von Leena Nandan, die Tourismusministerin der indischen Regierung, denn Indien ist dieses Jahr das Partnerland der ITB, und Klaus Laepple vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft. Kerstin-Bettina Kaiser
Der amerikanische Wissenschaftler Jared Diamond hat nun 2005, nach "Der dritte Schimpanse" und "Arm und reich", mit "Kollaps" wieder ein grundlegendes Werk vorgelegt. Dies soll in einer Serie hier besprochen werden. Es handelt sich um: Jared Diamond "Collapse. How Societies Choose to Fall or Succeed" Verlag Viking, Penguin Group, New York, 2005
Wir sollten stolz sein auf „unsere Demokratie“, erzählen uns die Medien und die Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien, wir sollten sie respektieren, sie würdigen, sie schätzen, denn im Unterschied zur Diktatur würde nur ein demokratischer Staat den Willen des Volkes richtig erfassen und auch wirklich umsetzen. Guenther Sandleben
Bei unserer Reise durch Schottland zog es uns nicht nur in das Universitäts- und Küstenstädtchen St. Andrews, sondern auch und Gott sei Dank ins wunderschöne Dörfchen Falkland, das im Tal des Flusses Eden am nördlichen Fuße der Lomond Hills of Fife ein Dornröschendasein fristen würde, wenn die Touristen nicht wären. Im rauen Tal lies MacDuff, der Thane of Fife, ein Schloss bauen, das jedoch 1337 von den Engländern zerstört wurde. Später kaufte Robert Stewart, der Duke of Albany, die Ruine und das Land drumrum. Zwischen 1501 und 1541 lies Jakob IV. ein Jagdschloss errichten, das auch von dessen Sohn Jakob V. benutzt wurde. 1650 ordnete Charles II. an, im Falkland Palace ein Regiment der Scots Guards einzuquartieren. Haus und Hof wurden also stetig genutzt. Stefan Pribnow















Till Müller-Heidelberg/ Ulrich Finckh/ Rolf Gössner u.a. (Hg.):
Hausbesuche
